Smartwatch: Motorola Moto 360

Ich habe mir zwar ziemlich lange Zeit gelassen mit der Entscheidung, aber letztendlich dann doch eine Smartwatch, die Motorola Moto 360, gekauft. Der Grund warum ich so lange gezögert habe ist recht einfach, ich wusste nicht was ich mit so einer Smartwatch anfangen soll. Aber wie sagte Steve Jobs so schön: “Meistens wissen die Leute nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt.”

Motorola Moto 360
Motorola Moto 360

Nach zwei Wochen mit der Moto 360 warte ich allerdings immer noch vergeblich darauf, dass mir jemand zeigt was ich mit so einer Smartwatch will. Das hat teilweise mit Software, beziehungsweise fehlender Software, teilweise aber auch mit dem Konzept Smartwatch zu tun. Am wenigsten hat es mit der Hardware zu tun.

Hardware

Das Display der Moto 360 ist nämlich – trotz geringer Auflösung von 320 x 290 Pixel – recht ansehnlich, auch wenn es bei direkter Sonneneinstrahlung nicht immer eine gute Figur macht. Die Batterie bringt einen locker über den Tag, auch bei intensiver Nutzung. Bevor die Uhr ausgeht macht ziemlich sicher das Smartphone schlapp. Die drahtlose Ladestation ist praktisch und optisch ist die Moto 360 für mich ohnehin die schönste bisher vorgestellte Smartwatch. Einziges echtes Manko auf der Hardware-Seite ist der Virbationsmotor. Der ist zwar gut zu spüren, allerdings ist er auch zu hören. Eher suboptimal wenn im Gespräch die ganze Zeit die Uhr hörbar vibriert. Das ist ein Punkt in dem die Apple Watch, mit der Taptic Engine, im Vorteil sein könnte.

Bedienung

Momentan sind Smartwatches vor allem Verlängerungen für das Smartphone. Sie sollen uns das Leben erleichtern und dafür sorgen, dass wir unser Handy seltener aus der Tasche holen müssen. Für mich scheitert nicht nur die Moto 360 an diesem Anspruch sondern – zumindest momentan – jede Smartwatch. Während ich mein Smartphone problemlos mit einer Hand bedienen kann, benötige ich für die Smartwatch immer zwei. Mit Einkaufstüten in der Hand nach Hause gehen und eben mal schnell auf der Uhr checken wer gerade geschrieben hat? Unmöglich. Mein Handy rausholen und drauf schauen? Kein Problem! Und selbst wenn ich beide Hände frei habe, schaue ich auf die Uhr, sehe wer geschrieben hat und muss dann doch mein Handy auspacken um zu antworten. Die Fälle in denen mir ein Blick auf die Uhr den Griff zum Handy erspart sind am Tag an einer Hand abzählbar. Die Hoffnungen, dass man mit einer Smartwatch etwas sozialkompatibler die Welt im Blick behalten kann wird leider auch nicht erfüllt, denn der dauernde Blick auf die Uhr wirkt für das Gegenüber mindestens genau so unhöflich wie der Blick aufs Handy.

Software

Das Angebot an Apps für Android Wear ist bisher doch recht überschaubar und größtenteils sehr Fitness zentriert. Das sich Apps von Haus aus nicht von der Uhr aus öffnen lassen (Edit: wurde inzwischen, wie erwartet, behoben) und Karten, wie das Wetter, nicht dauerhaft erreichbar sind wird in zukünftigen Versionen hoffentlich noch behoben, solange gibt es dank des vergleichsweise offenen Systems Drittanbieter-Apps, die die diese Probleme beheben. Am meisten gestört hat mich die schlechte Erkennung wann ich auf die Uhr schaue. Nur wenn ich den Arm von unten anhebe um auf die Uhr zu schauen erkennt die Uhr das auch zuverlässig als solche Handlung und schaltet das Display ein. Wenn ich den Arm dagegen auf dem Tisch liegen habe und die Uhr nur leicht in meine Richtung drehe um einen unauffälligen Blick darauf zu werfen, geht das Display so gut wie nie an und ich muss die zweite Hand dazu nehmen um das Display zu aktivieren. Umso kleiner die Geste, desto größer natürlich die Gefahr, das auch andere Bewegungen missinterpretiert werden und der Akku schnell in die Knie geht, hier muss aber definitiv noch ein besserer Mittelweg gefunden werden.

Mein Fazit bisher lautet deshalb ganz eindeutig: Sieht zwar gut aus, ist aber unpraktisch.